Projekte

Hessen

03 2020
Ärger mit dem Erker

Fachwerksanierung statt Neuanstrich – wenn plötzlich alles anders kommt

Eigentlich wurden die Experten des Malereibetriebs Steingässer damit beauftragt, ein unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkwohnhaus „nur“ mit frischer Farbe zu versehen. Aber dann war die Planung plötzlich für die Katz.
Die Aufgabe:
  • Überholungsanstrich an einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus

Die Leistung:

Gerüstaufbau und die Kunst zu improvisieren

Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Im Juli 2019 stiegen die Malerprofis von Steingässer hochmotiviert ins Auto und fuhren zur Baustelle, bei der sie eigentlich erwarteten, einen Neuanstrich bei einem unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhaus durchführen zu dürfen. Sie begannen mit dem Gerüstaufbau und stellten schnell fest: Hier stimmt etwas nicht. Problem Nummer eins: Die meisten der Fachwerkbalken sind morsch, die Gerüste lassen sich nur schwer befestigen. Mit Impovisationstalent und einigen Schweißperlen auf der Stirn, gelang es ihnen dennoch, die Gerüste an der Hausmauer aufzustellen. Auf dem Gerüst stehend betrachteten sie nun Problem Nummer zwei, beziehungsweise betrachtete das Problem eher sie: Ein paar Vogelaugen starrten sie nichtssagend und etwas erschrocken an. Zwischen den durchgefaulten Balken hatten sich Vögel eingenistet. Schnell stand fest: Hier ist es mit einem reinen Fassadenanstrich nicht getan, hier muss weitaus mehr geleistet werden.

Putzausbesserungen, Holzbalken, Backsteine: fast alles muss neu

Nach einigen Inspizierungen wurde das Ausmaß ersichtlich: Nahezu alle Holzbalken müssen bis auf wenige Ausnahmen ausgetauscht und Vogelnester tiergerecht entfernt, sowie beinahe alle Gefache müssen neu gemauert und verputzt werden. Der Zeitplan geriet mehr und mehr ins Wanken. Mit vereinten Kräften begannen die Profis um das Team von Malermeisterin Daniela Breidert am unteren Ende des Hauses, die Sandsteinwände zu reinigen. Anschließend wurden die Putzflächen auf Hohlräume geprüft, loser und schadhafter Putz abgeschlagen und eine Putzausbesserung mittels eines speziellen Putzes vorgenommen. Die maroden Gefache oberhalb der Sandsteinschicht wurden ausgebaut, mit neuen, vorher lasierten, Holzbalken versehen und mit neuen Backsteinen ausgemauert. Ein spezieller Dämmputz sorgt für den nötigen Halt und eine einheitliche Oberfläche. Die Grundierung bildet ein Mehrfachluat, damit die anschließend aufgetragene Farbe nicht fleckig oder bröckelig wird.

Putzträger und Fassadenanstrich 

Fleißig wurden mehrere Schichten Kalkkratzputz nach Denkmalschutzvorschrift nach und nach aufgetragen – bis die ersten Schichten an einer ganz bestimmten Stelle wieder abbröckelten. Problem Nummer drei: Der Erker machte Ärger. Die gesamte Last des schönen Dachvorsprungs wurde von einem einzigen Stahlträger gehalten, der vom Vorgänger nicht sachgemäß verputzt wurde. Ein Statiker prüfte die Lage und der gesamte Träger musste freigelegt sowie mit einem ordnungsgemäßen, flexiblen Putzträger versehen werden. Nachdem der Ausleichsputz aufgetragen war, war nach so einigen geflossenen Schweißperlen ein Ende in Sicht. Peter Kauf, Sebastian Naggatz, Christian Walther  und Viktor Felde konnten abschließend den eigentlichen Auftrag ausführen und die Fassaden mit einer mineralischen Silikatfarbe streichen. Zum Schluss wurden Fensterbänke mit einem Kupferfarbton beschichtet und eingebaut. Im August 2019 wurde das Projekt fertiggestellt. Ein Fachwerkhaus in der Heidelberger Straße, leuchtend weiß, strahlt nun mit der Spätsommersonne um die Wette. So, als wäre nichts gewesen.

Das Ausmaß dieser Baustelle war am Anfang überhaupt nicht absehbar. Daher bin ich sehr stolz auf uns und das Team, das stets besonnen und professionell gehandelt hat!

Daniela Breidert, Projektleitung

Die Fakten:

  • Projektzeitraum: Juli bis August 2019
  • Projektleitung: Daniela Breidert
  • Projektteam: Peter Kauf, Sebastian Naggatz, Christian Walther, Viktor Felde
  • 200qm fast vollständige Fachwerksanierung 
  • 180 qm Fassadenanstrich (ohne Sandsteinsockel)
  • 155m lasierte Fachwerkbalken
  • 29m gestrichene Dachgesimsbretter
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